Der graue Asphalt fügt sich nur selten unauffällig in die Umgebung ein. Im Gegenteil, Autobahnen ähneln bei genauerer Betrachtung einer bewusst herbeigeführten Unterbrechung der natürlichen oder urbanen Landschaft und Umgebung. Wie ein langer asphaltierter Schlauch, der sich am Horizont zu verlieren scheint, trennt die Autobahn Stadtteile, Waldgebiete, Natur und Lebensräume.

Autobahnen werden in dieser Fotoserie zu einem fast surreal anmutenden Ort der Stille, der eigentliche Zweck ihres Daseins wird dem Betrachter nicht mehr vermittelt. Schilderbrücken geben Hinweise auf das, was uns hinter der nächsten Wegkehre erwarten würde. Wo Autos fahren sollten, herrscht Stille. Schallschutzwände verfehlen in dieser gespenstischen Ruhe und der unwirklichen Bildstimmung ihren Zweck. Nur die ruhige Impression auf diese asphaltierten Unterbrechungen mitten in der urbanisierten Landschaft des Ruhrgebiets bleibt für den Augenblick der Betrachtung erhalten.
A2, A40, A42, A43, A44, A45, A52 ... Die Fotoserie „BahnFreiRuhr“ der Fotografen Niko Korte und Philipp Dierks entstand über einen Zeitraum von über 12 Monaten zu jeweils sehr belebten Autobahn-Tageszeiten. Durch eine spezielle Aufnahmetechnik ("LZB") der Fotomotive entsteht eine völlig neue Sichtweise auf die Bauwerke „Autobahn“. Keine Fortbewegung, keine Fahrzeuge, keine Menschen – und auch keine Autobahnsperrung... nein: Bei dieser Aufnahmetechnik, die auch mehrere Minuten pro Aufnahme beanspruchen kann, bleiben nur feststehende, starre und statische Elemente des Fotomotivs scharf und sichtbar erhalten – alle Bewegungen (z.B. fahrende Autos und LKWs) werden durch die lange Belichtung quasi „unsichtbar“ gemacht. Wir haben die Autobahn und den Augenblick somit ganz für uns allein und sehr viel leerer als die alltägliche Realität es erlauben würde.

Endlich: Bahn frei im Ruhrgebiet.